Harvest House ist mehr als ein Obst und Gemüseunternehmen

Vom Saatgutlieferanten bis zum Verpackungsunternehmen – die ganze AGF-Kette war gestern auf dem Fest von Harvest House: Am Strand von Hoek van Holland besann man sich auf die Geschichte, aber vor allem auf die Zukunft der Erzeugervereinigung. Zwar wurde zwischenzeitlich angezweifelt, ob dies der richtige Moment für ein Fest ist. “Mit enttäuschenden Preisen und dem Russland-Boykott ist das Geschäft in der Sackgasse”, brachte Vorsitzender Theo van Vliet es auf den Punkt. “Aber das ist heute nicht unser Thema. Wir konzentrieren uns auf den Streifen am Horizont. Wir werden nicht nur jetzt, sondern auch in Zukunft Rückschläge erleiden. Aber: wir haben gemeinsam Harvest House aufgebaut und konzentrieren uns nun auf unsere Zukunft.”
Ursprung eines gesunden Lebens
Für Jelte van Kammen stand der Regen der vergangenen Wochen und das prächtige Wetter von gestern symbolisch für die nicht so florierende Zeit, die zurückliegt, und die Zukunft, die Harvest House nun erwartet. “Bei FresQ wurde jahrelang als Gemeinschaft zusammengearbeitet. Aber es wurde auch immer deutlicher, dass GMO ein hemmender Faktor für die Zukunft ist. Im August 2012 glaubten wir noch, alles bereinigen zu können. In 2013 war schon deutlicher, das FresQ keine Zukunft hatte. Mit den Gärtnern dreier Gärtnervereinigungen, FrEsteem, Rainbow und Paprika XL haben wir uns umorientiert. Wollen wir dasselbe?” fragte van Kammen zum Entstehen der Vereinigung. Aus der Umorientierung ging eine deutliche Vision hervor: dass Harvest House der Ursprung eines gesunden Lebens sein möchte und gemeinsam die beste Rendite für die Gärtner anbieten will.
Eintracht innerhalb der Vereinigung
Um dies zu realisieren sind verschiedene Strategien entwickelt worden. Mit dem Ziel, DER Fruchtgemüsespezialist Europas zu werden, strebt die Vereinigung selbstverständlich danach, so viel Qualität wie möglich zu liefern und die Effizienz jährlich durch Prozessoptimierung zu verbessern. Daneben wird hart am Zusammenhalt innerhalb der Vereinigung gearbeitet. So hält Harvest House die Transparenz hoch in der Zeit des Wandels. “Unsere Mitglieder können alles voneinander wissen. Auf welche Marktsparten sie sich richten, was die Leistungen sind. So können wir einander klar einschätzen und es entsteht kein Misstrauen unter den Mitgliedern. Sie alle sind Harvest House.” Es ist auch die Absicht den Zusammenhalt nach außen zu transportieren und gemeinsam die Marke Harvest House aufzuladen. Auch da sind alle Gärtner einbezogen. “Nicht die eigenen Betriebe profilieren, sondern Harvest House profilieren”, erläutert van Kammen.
Innerhalb der Organisation liegt der Fokus auf Kontinuität, auf langfristigen Absprachen. “Wir wollen die Gärtner und Mitarbeiter lang binden. Über frühere Vereinigungen wird wohl mal gesprochen wie über einen Taubenschlag. Das möchten wir vermeiden.” Mit den Gärtnern ist die Strategie besprochen. “Wir haben jetzt eine Führungsmannschaft, die nicht direkt abspringt, wenn die Marktsituation einen Moment nicht so rosig ist. Als Harvest House wollen wir mehr sein als das. Wir wollen gemeinsam auf lange Sicht zusammenarbeiten.”

Verkauf
Innerhalb der Vereinigung wird der richtigen Verkaufsstrategie viel Aufmerksamkeit geschenkt. Van Kammen erreichen regelmäßig Fragen zu Handelsbetrieben, an denen Harvest House beteiligt ist. “Als Harvest House wollen wir nicht austauschbar sein. Wir wollen Marktzugang kreieren und behalten. Für uns ist das nur möglich, wenn wir keinen Unterschied machen zwischen unseren ‘eigenen’ Betrieben und dem Rest unserer Kunden”, berichtet van Kammen.
Endkunde
Harvest House wählt bewusst den direkten Kontakt zum Endkunden. “Im Bereich Marketing, stehen wir mit dem Endkunden in Kontakt und sicher sitzen wir auch gemeinsam an einem Tisch. Aber was die Preisgestaltung betrifft, haben wir uns bewusst für ein Zweistufenmodell entschieden.” Dafür gibt es verschiedene Gründe. Der erste ist der Preiseffekt Harvest House. Und der zweite Grund, der damit eng verbunden ist, ist der, dass bei Harvest House die gesamte Marktnachfrage ankommt. “Bei den Exporteuren kommt ein Teil der Anfragen an, bei Harvest House haben wir ein Totalbild vom Markt. Daher können wir sehen, was die Trends sind und pro Produkt maximalisieren.”
Auch die Exporteure haben im Zweistufenmodell Aufgaben. Sie können die Margen selbständig wählen und eine eigene Strategie festlegen. Darüberhinaus kann ein Exporteur seine eigene Verkaufsstrategie verfolgen. “Die britischen Einzelhändler nutzen Paprika in diesem Jahr als Zugpferd, um Kunden zu gewinnen. Wir bei Harvest House sollten Paprika vielleicht nicht für so einen Preis verkaufen, obwohl der Einzelhändler als Ganzes ein guter Kunde ist. Ein Exporteur entscheidet selber, ob er auf der Basis von allen Gewinn- und Verlustspannen einen Kunden beliefern möchte.” Daneben fungiert der Exporteur auch als Puffer. “Die Preisgestaltung ist eine Sache zwischen Exporteur und Einzelhändler. In dieser Beziehung können sowohl der Experteur als auch der Einzelhändler Nein sagen.”
Van Kammen rief die vielen Anwesenden aus der gesamten Kette auf: ”Lasst uns einmal auf andere Weise nach Verdienstmöglichkeiten schauen. Damit stärken wir die Position von Gärtnern, Exporteuren, Einzelhändlern und damit der gesamten Kette nur noch mehr.”

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