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„Wir müssen selbst aktiv werden“

02-07-2025

Als CEO von Harvest House ist Jelte van Kammen eine verbindende Kraft in diesem Sektor. „Ich bringe Menschen zusammen und inspiriere sie. Außerdem habe ich offenbar das Talent, Entwicklungen frühzeitig zu erkennen. Dieses Gespür versuche ich weiterzugeben.“

Warum ist die Vernetzung in diesem Sektor so wichtig?
Der gesamte Gewächshaussektor steht vor denselben Herausforderungen. Deshalb ist es sinnvoll, gemeinsam an Lösungen zu arbeiten. Es gibt mehr Gleichgesinnte, als man denkt, und Zusammenarbeit bringt ausschließlich Vorteile. Bereits vor zehn Jahren haben wir uns als Fruchtgemüseorganisationen im Lebensmittel‑ und Veterinäramt (siehe Kasten) zusammengeschlossen, um gemeinsam an nicht wettbewerbsrelevanten Themen zu arbeiten. In den vergangenen drei Jahren haben wir dadurch große Fortschritte für den Unterglas‑Fruchtgemüsesektor erzielt.“

Was hat diese Entwicklung beschleunigt?
„Ein wesentlicher Faktor war die Gründung der sogenannten Koalition der Willigen: eine Denkfabrik mit Akteuren aus dem gesamten Hightech‑Gewächshaussektor – von Fruchtgemüseanbauern bis zu Zierpflanzenzüchtern sowie von Züchtungsbetrieben bis hin zu Lieferanten. Gemeinsam haben wir deutlich gemacht, dass sich in bestimmten Bereichen grundlegend etwas ändern muss, wenn wir unsere Lizenz zum Produzieren behalten wollen. Statt abzuwarten, Lobbyarbeit zu betreiben oder Gesetzgebungsprozesse zu verzögern, wurde uns klar: Wenn wir Veränderungen wollen, müssen wir sie selbst umsetzen. Also haben wir gemeinsam gehandelt. Wir haben die wirklich dringenden Herausforderungen identifiziert – unsere brennenden Plattformen – und uns konsequent darauf konzentriert.“

Im FVO arbeiten wir an praxisnahen Lösungen. Als Anbauer übernehmen wir Verantwortung und treiben gemeinsam mit dem gesamten Cluster echte Veränderungen voran, zum Beispiel beim synthetischen Pflanzenschutz. Der Werkzeugkasten wurde immer leerer, dennoch haben wir lange auf politische Lösungen gehofft. Diese Form der Lobbyarbeit wird uns jedoch nicht weiterhelfen. Wir müssen uns selbst verändern. Und wenn man heute die Anbauer fragt, dann sehen sie das genauso und unterstützen diesen Wandel.

Wie arbeitet das FVO an Lösungen?
„Der Projektansatz des Lebensmittel‑ und Veterinäramts konzentriert sich auf die Anbauer: Sie können die Pilotprojekte in die Praxis umsetzen. Beim Thema Pflanzenschutz denken wir über Lösungen im gesamten Cluster nach – gemeinsam mit Lieferanten und Kettenpartnern. In praktischen Versuchen in den Gewächshäusern der Anbauer des LVA testen wir, was wirklich funktioniert. Das gilt ebenso für Themen wie Energie, biologische Vielfalt, Wasser und Arbeit. Es geht immer um Zusammenarbeit und konsequentes Handeln.“

Harvest House steht oft an der Spitze der Innovation. Woher kommt das?
„Das liegt am Charakter unserer Anbauer. Sie sind durchweg zukunftsorientierte Unternehmer, die mit ihrer Entschlossenheit den Takt für unsere Organisation vorgeben. Sie reden nicht lange, sondern diskutieren und handeln. Nehmen Sie zum Beispiel den HortiFootprint, den Vorläufer der FreshProducePEFCR, der von einem unserer Anbauer initiiert wurde. Ich bin überzeugt, dass wir unsere Umweltauswirkungen messbar machen müssen. Deshalb haben wir bei Harvest House intensiv an den ersten Pilotprojekten gearbeitet und diese anschließend auf den gesamten Sektor ausgeweitet. Dasselbe gilt für das Projekt True Value. Wir warten nicht ab, sondern gestalten die Zukunft aktiv mit.“

Der wahre Wert des Fruchtgemüseanbaus

Im FVO‑Projekt True Value vergleichen wir die Kosten und Nutzen für Klima, Biodiversität und soziale Nachhaltigkeit. Dabei ermitteln wir die Umweltpreise unseres Sektors, sammeln Innovationen, die zu einer geringeren Belastung beitragen, und machen die entsprechenden Ökosystemleistungen sichtbar. Dazu zählen unter anderem Netzausgleich, Wasserspeicherung, Wasserreinigung, Gesundheit und flächeneffiziente Landnutzung. In Zusammenarbeit mit Expertinnen und Experten wandeln wir diese Daten nach einer standardisierten Methode in konkrete Kosten und Nutzen um.